Zwischen Familie und Pflegeberuf.
Ein Interview mit einer Mutter im Dienst. Roxana Ackerman - 14. November 2024

In der Krankenpflege arbeiten und gleichzeitig Mutter sein – ist das überhaupt vereinbar? Maria (28) ist Pflegefachassistentin in einer Wiener Klinik und Mutter einer einjährigen Tochter. Zudem ist sie mit ihrem zweiten Kind schwanger. Aktuell ist sie in Karenz und kann sich dabei auf weiteren Zuwachs in der Familie freuen.
Den fordernden Arbeitsalltag in der Pflege zu meistern und gleichzeitig für ihr Kind da zu sein, klingt zunächst nach einer Herausforderung. Wie Maria die bisherigen Schwierigkeiten gemeistert hat und wie sie sich auf den Arbeitsalltag als Mutter von zwei Kindern vorbereitet, erklärt sie in diesem Interview. Dabei gibt sie Ratschläge an andere berufstätige Mütter und erzählt, wie sie die Balance zwischen Beruf und Familie findet.
“In Österreich besteht ein großer Bedarf an Pflegekräften, mit einer prognostizierten Lücke von 51.000 Fachkräften bis 2030. Das zeigt, wie wichtig es ist, dass engagierte Pflegekräfte wie Maria in ihrem Beruf bleiben können und gleichzeitig die Herausforderungen der Mutterschaft erfolgreich meistern.”
Wie sah ein typischer Tag bei dir als berufstätige Mutter in der Pflege aus, bevor du in Karenz gegangen bist?
Am Anfang war es schwer, weil mein Ehemann und ich noch keinen Kindergartenplatz für unsere Tochter hatten. Das heißt, wenn mein Mann auch zur Arbeit gehen musste, musste ich eine Person finden, die auf meine Tochter aufpassen konnte. Ich habe also dann um 6:45 Uhr meiner Tochter, meiner Schwester oder meiner Mutter – oder wer gerade Zeit hatte, übergeben und bin dann direkt danach zur Arbeit gefahren. Ich habe einen 8 Stunden Dienst gehabt, hatte um 15 Uhr aus und hab meine Tochter dann abgeholt.
Was sind die größten Herausforderungen bzw. Schwierigkeiten, die du als Mutter und gleichzeitig Krankenpflegerin erlebt hast?
Wie ich schon vorher erwähnt habe, braucht man am besten schon einen Kindergartenplatz, wenn man beginnt zu arbeiten. Das war unser Problem für die ersten paar Monate. Zu der Zeit musste ich eben erst mal schauen, wo ich meine Tochter hinbringe. Inzwischen geht sie in die Krippe, nur 2 Stationen von uns entfernt. Es gab auch die Möglichkeit, sie in einen Betriebskindergarten zu bringen, aber da wäre erst Monate später ein Platz frei geworden und das wäre viel zu spät gewesen. Deshalb haben wir einen privaten Kindergarten genommen.
Und generell ist Mutter sein und gleichzeitig zu arbeiten schon schwer, nicht nur in der Krankenpflege. Man ist es gewohnt, 24/7 mit dem Kind zu sein. Das war am Anfang schwer für mich, wenn ich sie erst am Nachmittag gesehen habe. Man ist dann bei der Arbeit auch immer am Handy, um zu schauen, ob es Notfall-Anrufe gab oder irgendwas passiert ist. Man ist mit den Gedanken die ganze Zeit beim Kind. Aber am Anfang für sie eine Betreuung zu finden, fand ich am schwierigsten. Also würde ich Eltern raten, zuerst einen Kindergartenplatz zu finden, bevor man beginnt zu arbeiten.
“Insbesondere Frauen stehen in Österreich vor großen Herausforderungen, wenn es darum geht, Beruf und Kinderbetreuung miteinander zu vereinbaren. Insgesamt berichten 39% der Mütter mit Kindern unter 15 Jahren, dass sie ihre Arbeitszeit aufgrund von Betreuungspflichten reduziert haben.”
Wie hast du deinen Alltag organisiert, um Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen? Wie sah dein Zeitmanagement aus?
Das Gute an meiner Arbeit war, dass ich von Montag bis Freitag von 7:30 Uhr bis 15 Uhr gearbeitet habe. Das war eigentlich eine super Zeit, weil ich nicht den ganzen Tag arbeiten musste und damit Nachmittags und Abends Zeit für die Familie hatte. Es gab keinen Nachtdienst und ich habe am Wochenende Feiertage immer frei gehabt. Ich fand die Arbeitszeiten sehr kinderfreundlich. Zeit mit der Familie war eigentlich immer da, ich habe eigentlich nie das Gefühl gehabt, dass ich für die Familie zu wenig da war.
Welche Rolle hat Selbstfürsorge (also deine mentale Gesundheit) für dich gespielt und wie hast du Zeit dafür gefunden?
Das Arbeiten selber war für mich eigentlich die Zeit, die ich für mich hatte und es hat mir an sich schon sehr viel Spaß gemacht. Ich war eben ohne Kind und konnte das machen, was mir Spaß machte. Und da konnte ich auch ein bisschen von Zuhause und Muttersein abschalten. Natürlich waren aber trotzdem meine Sorgen um das Kind noch immer da.
Und nach der Arbeit war ich natürlich schon sehr erschöpft. Meine Tochter hat aber sehr viel geschlafen und währenddessen habe ich dann einfach wirklich immer die Zeit ausgenutzt. Ich habe zum Beispiel Tee getrunken, ferngesehen und Sachen erledigt, die für mich wichtig waren. Zum Beispiel duschen. Es ist nicht so selbstverständlich, dass man überhaupt zum duschen kommt als Mutter. Man muss die Zeit halt wirklich nutzen, wenn das Baby schläft und das habe ich dann sozusagen als Me-Time verwendet. Und das hat für mich gereicht.
Was würdest du anderen berufstätigen Müttern und Vätern in der Pflege raten, die mit ähnlichen Herausforderungen kämpfen?
Wie vorhin schon erwähnt, sollte man auf jeden Fall den Kindergartenplatz erst organisieren, bevor man anfängt zu arbeiten. Und ich habe gemerkt, dass die Zeiten wichtig sind. Ich hätte mir keinen Job mit Nachtdiensten ausgesucht. Wenn also Eltern in der Krankenpflege arbeiten möchten, dann am besten nur zu Zeiten, die kindergarten-freundlich sind, mit Arbeitstagen von Montag bis Freitag und am Wochenende frei. So war es eben für mich am besten, um mehr Zeit mit der Familie verbringen zu können.
“Flexible Arbeitszeiten, die auch die Bedürfnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach Flexibilität berücksichtigen, wirken sich positiv auf das Wohlbefinden, die Pflegequalität und die Mitarbeiterbindung aus. Auch bei Maria zeigt sich, wie wertvoll diese Flexibilität für die Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung sein kann.”
Hat deine Schwangerschaft deinen Arbeitsalltag in der Krankenpflege beeinflusst und welche Herausforderungen gab es für dich?
Als ich erfahren habe, dass ich schwanger bin und dann dem Arbeitgeber Bescheid gegeben habe, mussten sie schnell handeln. Denn ich habe im OP-Bereich gearbeitet und vieles nicht mehr machen dürfen. Bevor ich schwanger war, habe ich die Utensilien, die für den OP benötigt wurden, vorbereitet. Aber jetzt als Schwangere durfte ich während der OP, aber auch nach der OP nichts mehr angreifen. Auch beim Patienten selbst durfte ich nicht mehr sein. Ich durfte nur noch Büroarbeiten machen und war hauptsächlich am Computer.
Und dadurch, dass ich vieles nicht mehr machen durfte, hatte ich das Gefühl, dort nutzlos zu sein. Auch wenn ich helfen wollte, wurde es mir von meinen Kollegen verboten. Es war auch schwierig für mich, wenn es eine OP gab und dort mit giftigen Stoffen gearbeitet wurde. Ich hatte schon große Bedenken gehabt, dass es vielleicht ein Risiko für das Baby sein könnte. Das war für mich schon eine Herausforderung
Was sind deine größten Bedenken oder Hoffnungen in Bezug auf die Zukunft als Mutter von zwei Kindern und als Krankenpflegerin?
Meine größten Bedenken sind, noch einmal denselben Fehler zu machen, was die Karenzdauer betrifft. Bei dem ersten Kind bin ich nach 10 Monaten schon wieder arbeiten gegangen und da habe ich erst im Nachhinein bereut, dass ich so kurz in Karenz war. Beim zweiten Kind möchte ich ein bisschen länger zuhause bleiben, um mehr Zeit mit den Kindern zu haben. Und rechtzeitig einen Kindergartenplatz zu finden, da mache ich mir nicht mehr so große Sorgen. Mit dem zweiten Kind ist das immer leichter, weil eben schon ein Kind im Kindergarten ist und da werden eher die Geschwister bevorzugt als neue Kinder. Und was die Hoffnungen für die Zukunft betrifft, so hoffe ich, dass das, was ich alles als Krankenpflegerin gelernt habe, noch da ist, bis ich wieder arbeiten gehe. Denn es ist natürlich schwierig, wieder ins Berufsleben einzusteigen.
Welche Tipps hast du für andere schwangere Mütter, die in der Pflege arbeiten und vielleicht gerade überfordert sind?
Wenn man überfordert ist mit Aufgaben, sollte man nicht alles selbst machen und wenn möglich auch Hilfe von jemandem anderen holen. Man sollte nicht alles auf sich nehmen, sondern auch dem Ehemann oder der Ehefrau irgendwas abgeben. Vielleicht denk ich nur so, aber man möchte als Mutter alles selbst machen, aber manchmal muss man halt Sachen abgeben, die einen belasten. Vielleicht denken sich einige Mütter so etwas wie “das muss ich jetzt alles machen”, aber nein, muss man nicht. Man kann es auch abgeben. Auch wenn es in der Arbeit ist, kann man andere bitten, etwas zu erledigen. Und auch mal zu sich selbst sagen: „Ok, ich bin gerade überfordert und bevor ich dann noch etwas falsches mache, hole ich mir lieber Hilfe”.
Marias persönliche Erfahrungen geben Einblick in das Leben einer berufstätigen Mutter und Schwangeren in der Krankenpflege. Die Erzählungen zeigen, wie wichtig es ist, Unterstützung anzunehmen und sich ein starkes Netzwerk aufzubauen – sowohl im privaten Umfeld als auch in der Arbeitsumgebung.
Hirebuddy unterstützt Unternehmen und Mitarbeitende dabei, ihre zukünftigen Kollegen und Kolleginnen selbst zu rekrutieren. Mitarbeitende können ihr eigenes Netzwerk aktiv bei der Suche nach flexiblen und attraktiven Arbeitsplätzen unterstützen und werden für jede erfolgreiche Empfehlung belohnt. Auch Maria sieht in diesem Konzept großes Potenzial:
„Ich finde es eine gute Idee, dass man belohnt wird, wenn man jemanden weiterempfiehlt. So kann man sein berufliches Umfeld mitgestalten und gleichzeitig Freunde unterstützen.“
Es sei zu erwähnen, dass Marias Erlebnisse eine Sichtweise von vielen sind und sich von den Erfahrungsberichten anderer Eltern unterscheiden können. Dabei sind den Anforderungen eines anspruchsvollen Pflegeberufs nicht nur Mütter, sondern auch Väter konfrontiert.
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